Blutwerte bei Kinderwunsch: Die wichtigsten im Überblick
Welche Blutwerte können bei Kinderwunsch sinnvoll sein?
Wenn sich eine Schwangerschaft nicht sofort einstellt, tauchen schnell viele Fragen auf.
Liegt es am Zyklus?
Fehlt meinem Körper ein wichtiger Nährstoff?
Oder steckt vielleicht eine hormonelle Ursache dahinter?
Viele Frauen wünschen sich dann eine Blutuntersuchung, um mehr Klarheit zu bekommen.
Doch welche Werte werden überhaupt bestimmt?
Und welche davon sind wirklich wichtig?
In diesem Artikel erfährst du,
• welche Blutwerte bei Kinderwunsch häufig untersucht werden,
• was die einzelnen Werte aussagen können,
• und warum Laborwerte immer im Zusammenhang mit deinen Beschwerden und deinem Zyklus betrachtet werden sollten.
| Mir ist dabei besonders wichtig: Ein einzelner Blutwert erzählt nie die ganze Geschichte. Deshalb solltest du Laborergebnisse immer gemeinsam mit deiner (ganzheitlichen) Ärztin oder deinem Arzt besprechen. |

Warum sind Blutwerte überhaupt wichtig?
Hormone steuern deinen gesamten Menstruationszyklus.
Schon kleine Veränderungen können dazu führen, dass der Eisprung später stattfindet, der Zyklus unregelmäßig wird oder die Periode ausbleibt.
Blutuntersuchungen können helfen, mögliche Ursachen einzugrenzen.
Sie ersetzen jedoch keine gründliche Anamnese, keinen Ultraschall und keine Beobachtung deines Zyklus.
Deshalb ist es oft die Kombination verschiedener Informationen, die ein vollständiges Bild ergibt.
Wenn du lernen möchtest, deinen Zyklus besser zu verstehen, lies auch meinen Artikel „Eisprung erkennen: 7 natürliche Anzeichen einfach erklärt„.
1. TSH – Die Schilddrüse im Blick
Der TSH-Wert gibt Hinweise darauf, wie gut deine Schilddrüse arbeitet.
Da Schilddrüsenhormone den Zyklus beeinflussen können, gehört dieser Wert häufig zur Kinderwunschdiagnostik.
Mehr dazu erfährst du in meinem Artikel „Schilddrüse bei Kinderwunsch: Was du wissen solltest“.
2. FSH – Das Hormon für die Eizellreifung
FSH steht für Follikelstimulierendes Hormon.
Es unterstützt die Reifung der Eibläschen in den Eierstöcken.
Je nach Zyklusphase können unterschiedliche Werte normal sein.
Deshalb ist der Zeitpunkt der Blutabnahme besonders wichtig.
3. LH – Das Eisprunghormon
Das Luteinisierende Hormon (LH) löst kurz vor dem Eisprung den sogenannten LH-Anstieg aus.
Dieser wird auch von Ovulationstests genutzt.
Mehr dazu findest du in meinem Artikel „Ovulationstest richtig anwenden: 8 häufige Fehler“
4. Östradiol
Östradiol gehört zu den wichtigsten weiblichen Geschlechtshormonen.
Es wird vor allem in den Eierstöcken gebildet und spielt eine zentrale Rolle beim Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und der Reifung der Eizellen.
Gemeinsam mit FSH und LH hilft der Wert dabei, den Zyklus besser einzuordnen.
5. Progesteron
Progesteron wird nach dem Eisprung gebildet.
Deshalb wird dieser Wert häufig in der zweiten Zyklushälfte bestimmt.
Er kann Hinweise darauf geben, ob ein Eisprung stattgefunden hat.
Mehr dazu liest du im Artikel „Progesteron bei Kinderwunsch: Wann es wichtig wird“.
6. Prolaktin
Prolaktin ist ein Hormon, das vor allem für die Milchbildung nach der Geburt bekannt ist.
Ist der Prolaktinspiegel außerhalb einer Schwangerschaft oder Stillzeit dauerhaft erhöht, kann das den Menstruationszyklus beeinflussen und den Eisprung unterdrücken.
Da der Wert empfindlich auf Stress, Schlafmangel oder sogar die Blutabnahme selbst reagieren kann, wird er bei auffälligen Ergebnissen häufig erneut kontrolliert.
7. AMH – Die ovarielle Reserve
Das Anti-Müller-Hormon (AMH) gibt Hinweise auf die sogenannte ovarielle Reserve, also darauf, wie viele Eizellen voraussichtlich noch vorhanden sind.
| Wichtig ist jedoch: Der AMH-Wert sagt nicht aus, ob du auf natürlichem Weg schwanger werden kannst. Er gibt auch keine Auskunft über die Qualität der Eizellen. Deshalb sollte dieser Wert immer im Zusammenhang mit deinem Alter, deiner Krankengeschichte und weiteren |
8. Vitamin D
Vitamin D wird bei Kinderwunsch ebenfalls häufig bestimmt – insbesondere dann, wenn ein Mangel vermutet wird oder Risikofaktoren bestehen.
Ein nachgewiesener Vitamin-D-Mangel sollte behandelt werden.
Nach aktuellem Forschungsstand gibt es jedoch keine eindeutigen Belege dafür, dass Frauen mit normalen Vitamin-D-Werten durch eine zusätzliche Einnahme schneller schwanger werden.
Mehr dazu erfährst du in meinem Artikel „Vitamin D bei Kinderwunsch: Was Studien wirklich sagen“.
9. Ferritin – Die Eisenspeicher
Ferritin zeigt an, wie gut die Eisenspeicher deines Körpers gefüllt sind.
Ein Eisenmangel kann Müdigkeit, Erschöpfung und Leistungsabfall verursachen.
Da Eisen für viele Prozesse im Körper wichtig ist, kann die Bestimmung des Ferritin-Wertes – je nach Beschwerden oder Risikofaktoren – sinnvoll sein.
Einen ausführlichen Artikel dazu findest du hier: „Eisenmangel bei Kinderwunsch erkennen“
10. Blutzucker und HbA1c
Auch der Zuckerstoffwechsel kann Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben.
Deshalb werden in bestimmten Situationen der Nüchternblutzucker oder der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) bestimmt.
Vor allem bei Verdacht auf eine Insulinresistenz oder im Zusammenhang mit PCOS können diese Werte wichtige Hinweise liefern.
Werden alle Blutwerte auf einmal bestimmt?
Nein.
Welche Laborwerte sinnvoll sind, hängt von deiner individuellen Situation ab.
Dabei spielen unter anderem folgende Fragen eine Rolle:
• Wie regelmäßig ist dein Zyklus?
• Wie lange besteht dein Kinderwunsch bereits?
• Gibt es Vorerkrankungen?
• Nimmst du Medikamente ein?
• Bestehen Beschwerden wie Müdigkeit, starke Blutungen oder ein ausbleibender Eisprung?
Deine Ärztin oder dein Arzt entscheidet gemeinsam mit dir, welche Untersuchungen sinnvoll sind.
Eine umfangreiche Blutuntersuchung „auf Verdacht“ ist nicht immer notwendig.
Mein Tipp: Notiere deine Blutwerte
Wenn bei dir Blutuntersuchungen durchgeführt werden, kann es hilfreich sein, die Ergebnisse an einem Ort zu sammeln.
So behältst du den Überblick und kannst Veränderungen im Verlauf besser nachvollziehen.
Außerdem fällt es oft leichter, bei Arztterminen gezielt nachzufragen, wenn du deine bisherigen Werte griffbereit hast.
Fazit: Blutwerte können wichtige Hinweise geben – sie erzählen aber nie die ganze Geschichte
Wenn sich dein Kinderwunsch nicht sofort erfüllt, können Blutuntersuchungen helfen, mögliche Ursachen Schritt für Schritt einzugrenzen.
Sie liefern wertvolle Informationen über deinen Hormonhaushalt, deine Schilddrüsenfunktion und mögliche Nährstoffmängel.
| Trotzdem gilt: Kein einzelner Laborwert entscheidet darüber, ob du schwanger werden kannst oder nicht. |
Erst das Zusammenspiel aus deiner Krankengeschichte, deinem Zyklus, einer körperlichen Untersuchung und den Blutwerten ergibt ein vollständiges Bild.
Aus meiner eigenen Kinderwunschreise weiß ich, wie verlockend es ist, jeden Wert analysieren und für jede Zahl sofort eine Erklärung finden zu wollen.
Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, dass Laborwerte Orientierung geben können – sie definieren aber nicht deinen Körper und schon gar nicht deine Chancen, Mama zu werden.
Versuche deshalb, die Ergebnisse gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt einzuordnen und dich nicht von einzelnen Zahlen verunsichern zu lassen.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Blutwerte werden bei Kinderwunsch am häufigsten bestimmt?
Häufig untersucht werden unter anderem:
• TSH, fT3 und fT4 (Schilddrüse)
• FSH
• LH
• Östradiol
• Progesteron
• Prolaktin
• AMH
Je nach Beschwerden oder Vorerkrankungen können zusätzlich Vitamin D, Ferritin, HbA1c oder weitere Werte sinnvoll sein.
Muss ich alle Blutwerte bestimmen lassen?
Nein.
Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von deiner persönlichen Situation ab. Deine Ärztin oder dein Arzt entscheidet gemeinsam mit dir, welche Werte für deine Beschwerden relevant sind.
An welchem Zyklustag werden die Hormone bestimmt?
Einige Hormone werden bevorzugt zu Beginn des Zyklus bestimmt, andere – wie Progesteron – nach dem Eisprung.
Deshalb ist der Zeitpunkt der Blutabnahme wichtig und sollte mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Kann ich meine Blutwerte selbst interpretieren?
Laborwerte sollten immer im Zusammenhang mit deiner Krankengeschichte, deinem Zyklus und den Referenzbereichen des jeweiligen Labors beurteilt werden.
Deshalb ist es sinnvoll, die Ergebnisse gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.
Was ist, wenn alle Blutwerte unauffällig sind?
Unauffällige Blutwerte sind zunächst eine gute Nachricht.
Trotzdem können weitere Faktoren eine Rolle spielen – zum Beispiel der Zyklus, anatomische Ursachen, Endometriose, die Spermienqualität des Partners oder andere medizinische Aspekte.
Manchmal lässt sich auch keine eindeutige Ursache finden. Sprich in diesem Fall mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über das weitere Vorgehen.
Quellen und weiterführende Informationen
Für diesen Artikel wurden unter anderem folgende seriöse Quellen berücksichtigt:
• Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)
• Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
• Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
• Netzwerk Gesund ins Leben
• European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE)
• American Society for Reproductive Medicine (ASRM)
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