Nachwehen nach der Geburt: 7 wichtige Fakten
Die Geburt liegt hinter dir, du hältst dein Baby im Arm und beginnst, dich an euren neuen Alltag zu gewöhnen. Vielleicht bemerkst du in dieser besonderen Zeit aber auch ein Ziehen oder krampfartige Schmerzen im Unterbauch. Besonders beim Stillen können diese Beschwerden plötzlich stärker werden.
Dahinter können Nachwehen nach der Geburt stecken. Sie sind ein natürlicher Teil der Rückbildung und helfen deiner Gebärmutter dabei, sich wieder zu verkleinern. Wie intensiv du sie spürst, ist individuell verschieden.
In diesem Artikel erfährst du, warum Nachwehen entstehen, wie lange sie ungefähr anhalten können und welche Maßnahmen dir möglicherweise Erleichterung verschaffen. Außerdem erfährst du, welche Beschwerden du medizinisch abklären lassen solltest.
Wichtig: Nicht jeder Unterleibsschmerz nach der Geburt ist eine harmlose Nachwehe. Starke, zunehmende oder ungewöhnliche Schmerzen sowie Fieber oder sehr starke Blutungen müssen ernst genommen werden.

1. Was sind Nachwehen nach der Geburt?
Nachwehen sind Kontraktionen der Gebärmutter, die nach der Geburt auftreten. Während der Schwangerschaft hat sich die Gebärmutter deutlich vergrößert. Nach der Geburt beginnt sie, sich allmählich wieder zurückzubilden.
Dabei zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammen. Diese Kontraktionen unterstützen die Rückbildung und tragen dazu bei, die Blutgefäße an der Stelle zu verschließen, an der die Plazenta mit der Gebärmutter verbunden war. Außerdem fördern sie den Wochenfluss.
Nachwehen sind also nicht einfach unnötige Schmerzen, sondern erfüllen wichtige Aufgaben im Wochenbett.
Wie stark du sie wahrnimmst, hängt unter anderem von deiner individuellen Situation ab. Manche Frauen bemerken nur ein leichtes Ziehen, andere empfinden die Kontraktionen als deutliche Krämpfe.
2. Wie fühlen sich Nachwehen an?
Nachwehen werden häufig als krampfartiges Ziehen im Unterbauch beschrieben. Sie können sich ähnlich wie stärkere Menstruationsschmerzen anfühlen. Manche Frauen spüren ein wiederkehrendes Zusammenziehen der Gebärmutter, das nach einer Weile wieder nachlässt.
Die Beschwerden können unterschiedlich intensiv sein und beispielsweise beim Stillen deutlicher auffallen.
Mögliche Empfindungen sind:
• ein Ziehen oder Krampfen im Unterbauch
• ein wiederkehrendes Zusammenziehen
• ein stärkeres Druck- oder Schmerzgefühl während des Stillens
• zeitweise intensivere Beschwerden, die anschließend wieder nachlassen
Diese Beschreibungen können dir helfen, die Empfindungen einzuordnen. Sie ersetzen jedoch keine medizinische Einschätzung, wenn du unsicher bist oder ungewöhnliche Beschwerden bemerkst.
Merke: Wenn die Schmerzen sehr stark sind, dauerhaft anhalten, zunehmen oder sich anders anfühlen als erwartet, solltest du dich nicht allein auf die Vermutung verlassen, dass es Nachwehen sind.
3. Warum können Nachwehen beim Stillen stärker werden?
Vielleicht bemerkst du, dass dein Unterbauch gerade dann stärker zieht, wenn du dein Baby anlegst. Das kann mit dem Hormon Oxytocin zusammenhängen.
Beim Stillen wird Oxytocin ausgeschüttet. Es unterstützt den Milchfluss und regt gleichzeitig die Gebärmutter dazu an, sich zusammenzuziehen. Dadurch können Nachwehen während einer Stillmahlzeit deutlicher spürbar sein.
Das bedeutet nicht, dass beim Stillen etwas falsch läuft. Die Kontraktionen sind Teil der Rückbildung.
Wenn die Schmerzen allerdings sehr unangenehm sind, du dich beim Stillen verkrampfst oder kaum entspannen kannst, darfst du dir Unterstützung holen. Deine Hebamme oder ärztliche Fachperson kann mit dir besprechen, welche Maßnahmen infrage kommen.
4. Wie lange dauern Nachwehen nach der Geburt?
Nachwehen treten besonders in den ersten Tagen nach der Geburt auf. Häufig werden sie innerhalb der ersten zwei bis drei Tage schwächer. Der Verlauf kann jedoch individuell unterschiedlich sein.
Es gibt keine feste Dauer, die für jede Frau gilt. Entscheidend ist auch, ob die Beschwerden insgesamt nachlassen oder ob neue beziehungsweise stärkere Schmerzen hinzukommen.
Beobachte deshalb, wie sich die Schmerzen entwickeln:
• Werden die Krämpfe allmählich schwächer?
• Treten sie vor allem beim Stillen auf?
• Kannst du dich zwischen den Episoden gut erholen?
• Kommen weitere Beschwerden hinzu?
Wenn die Schmerzen nicht nachlassen, deutlich zunehmen oder dich stark beeinträchtigen, solltest du sie medizinisch abklären lassen.
Die Gebärmutterrückbildung dauert länger als die Phase, in der Nachwehen besonders deutlich spürbar sind. Dass du keine Nachwehen mehr bemerkst, bedeutet deshalb nicht, dass die gesamte Rückbildung bereits abgeschlossen ist.
5. Warum können Nachwehen beim zweiten oder dritten Kind stärker sein?
Einige Frauen berichten, dass sie Nachwehen nach einer weiteren Geburt intensiver wahrnehmen als nach ihrem ersten Kind.
Das ist auch in medizinischen Informationsangeboten beschrieben: Nachwehen können bei Frauen, die bereits mehrere Kinder geboren haben, stärker ausfallen.
Wenn du also schon ein Kind hast und die Kontraktionen diesmal deutlicher spürst, bist du damit nicht allein.
Trotzdem gilt: Starke Schmerzen sollten nicht automatisch mit früheren Geburten erklärt werden. Auch wenn Nachwehen eine plausible Ursache sind, müssen auffällige oder zunehmende Beschwerden gegebenenfalls untersucht werden.
Du darfst jederzeit deine Hebamme oder ärztliche Fachperson ansprechen, wenn du dir Sorgen machst.
6. Was kann bei Nachwehen helfen?
Nicht jede Maßnahme hilft jeder Frau gleich gut. Manche empfinden Wärme als angenehm, andere brauchen vor allem Ruhe oder eine individuelle Beratung.
Diese Möglichkeiten können infrage kommen:
Wärme ausprobieren
Eine angenehm warme Wärmflasche oder ein warmes Kirschkernkissen kann bei krampfartigen Beschwerden als wohltuend empfunden werden.
Achte darauf, dass die Wärme nicht zu heiß ist, und lege eine schützende Stoffschicht zwischen Haut und Wärmequelle. Du solltest dich damit wohlfühlen und die Wärme jederzeit entfernen können.
Bei ungewöhnlichen oder starken Schmerzen ersetzt Wärme keine medizinische Abklärung.
Ruhe und Entlastung einplanen
Die ersten Tage nach der Geburt sind körperlich und emotional intensiv. Versuche, dir möglichst viel Ruhe zu ermöglichen und anstrengende Tätigkeiten abzugeben.
Wenn du kannst, richte dir einen gemütlichen Platz ein, an dem du dein Baby versorgen, stillen oder einfach kuscheln kannst. Getränke, Snacks und wichtige Dinge in Reichweite können unnötige Wege reduzieren.
Du musst in dieser Zeit nicht alles allein schaffen. Bitte vertraute Menschen um praktische Hilfe.
Eine bequeme Position finden
Probiere aus, welche Haltung sich für dich angenehm anfühlt. Manche Frauen entspannen besser im Liegen, andere sitzen lieber mit gut gestütztem Rücken.
Gerade beim Stillen kann es hilfreich sein, Kissen zur Unterstützung zu verwenden, damit du nicht dauerhaft eine angespannte Haltung einnehmen musst.
Wenn eine Position die Schmerzen verstärkt, wechsle sie vorsichtig. Bei anhaltenden Beschwerden solltest du dir Rat holen.
Schmerzmittel nur passend zur Situation verwenden
Wenn Nachwehen sehr unangenehm sind, können geeignete Schmerzmittel infrage kommen. Welche Mittel für dich geeignet sind, hängt unter anderem von deiner Gesundheit, möglichen Begleitmedikamenten und davon ab, ob du stillst.
Lass dich deshalb von deiner Hebamme, deiner ärztlichen Praxis oder einer Apotheke beraten, bevor du ein Medikament einnimmst. Nimm keine Medikamente ein, bei denen du dir hinsichtlich Dosierung oder Stillverträglichkeit unsicher bist.
Du musst starke Schmerzen nicht einfach aushalten. Es ist sinnvoll, rechtzeitig nach einer passenden und sicheren Möglichkeit zur Linderung zu fragen.
Deine Hebamme einbeziehen
Deine Hebamme begleitet dich durch das Wochenbett und kann helfen, Beschwerden einzuordnen. Sie kann auch beurteilen, ob eine ärztliche Abklärung notwendig ist.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob deine Schmerzen noch zu typischen Nachwehen passen, sprich sie an. Besonders bei starken oder ungewöhnlichen Beschwerden sollte die medizinische Abklärung nicht verzögert werden.
7. Wann sind Unterleibsschmerzen nach der Geburt ein Warnzeichen?
Nach der Geburt ist es wichtig, zwischen möglichen Nachwehen und Beschwerden zu unterscheiden, die auf eine Komplikation hinweisen könnten.
Bitte hole dir umgehend medizinischen Rat, wenn du eines der folgenden Warnzeichen bemerkst:
• starke, anhaltende oder zunehmende Unterleibsschmerzen
• Fieber oder Schüttelfrost
• übelriechenden Wochenfluss
• plötzlich deutlich stärkere Blutungen oder sehr starke Blutungen
• große Blutgerinnsel zusammen mit auffälligen Blutungen oder Beschwerden
• ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl oder deutliche Verschlechterung deines Zustands
Diese Symptome können unterschiedliche Ursachen haben, darunter eine Infektion oder eine Blutung, die medizinisch behandelt werden muss.
Bei sehr starken Schmerzen, sehr starken Blutungen, Ohnmacht, Atemnot oder Brustschmerzen solltest du sofort den Rettungsdienst verständigen.
Warte bei deutlichen Warnzeichen nicht auf den nächsten regulären Hebammentermin.
Häufige Fragen zu Nachwehen nach der Geburt
Sind Nachwehen nach der Geburt normal?
Nachwehen sind ein häufiger Teil der Gebärmutterrückbildung. Sie können sich wie Menstruationskrämpfe anfühlen und besonders in den ersten Tagen nach der Geburt auftreten. Sehr starke, zunehmende oder ungewöhnliche Schmerzen sollten jedoch medizinisch abgeklärt werden.
Warum werden Nachwehen beim Stillen stärker?
Beim Stillen wird Oxytocin ausgeschüttet. Dieses Hormon unterstützt den Milchfluss und regt zugleich die Gebärmutterkontraktionen an. Deshalb können Nachwehen während des Stillens deutlicher spürbar sein.
Sind Nachwehen beim zweiten Kind stärker?
Viele Frauen empfinden Nachwehen nach weiteren Geburten intensiver. Das ist individuell verschieden. Sehr starke oder ungewöhnliche Schmerzen sollten trotzdem nicht allein damit erklärt werden, dass du bereits Kinder geboren hast.
Was hilft gegen Nachwehen?
Wärme, Ruhe und eine bequeme Position können als angenehm empfunden werden. Bei stärkeren Beschwerden kann eine Fachperson beraten, ob ein geeignetes Schmerzmittel infrage kommt. Bei Warnzeichen ist eine medizinische Abklärung wichtig.
Wann sollte ich wegen Nachwehen medizinische Hilfe suchen?
Suche medizinische Hilfe bei starken, anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen, Fieber, Schüttelfrost, übelriechendem Wochenfluss oder auffällig starken Blutungen. Bei sehr starken Schmerzen oder einer schweren Blutung ist sofortige Hilfe erforderlich.
Fazit: Gib deinem Körper Zeit zur Rückbildung
Nachwehen nach der Geburt können sich unangenehm anfühlen, erfüllen aber eine wichtige Aufgabe: Sie unterstützen die Gebärmutter dabei, sich zurückzubilden und die Blutgefäße an der ehemaligen Plazentahaftstelle zu verschließen.
Besonders beim Stillen oder nach weiteren Geburten können die Kontraktionen deutlicher spürbar sein. Ruhe, eine bequeme Position und angenehme Wärme können dir möglicherweise Erleichterung verschaffen. Wenn du stärkere Schmerzmittel benötigst, lass dich zu einer für dich geeigneten Möglichkeit beraten.
Vor allem gilt: Du musst Beschwerden nicht still ertragen. Wenn du unsicher bist, Schmerzen zunehmen oder Warnzeichen auftreten, hole dir medizinische Unterstützung.
Möchtest du dich noch besser auf die erste Zeit nach der Geburt vorbereiten? Dann lies auch unseren Beitrag zum Wochenbett. Dort findest du weitere Anregungen, wie du dir Erholung, Unterstützung und eine möglichst entspannte erste Zeit mit deinem Baby organisieren kannst.
Quellen
• familienplanung.de – Nachwehen: erklärt die Funktion der Nachwehen, den Zusammenhang mit Stillen und Oxytocin sowie mögliche Maßnahmen zur Linderung.
• familienplanung.de – Gebärmutter-Rückbildung: beschreibt den Rückbildungsprozess und die Rolle der Nachwehen.
• Universitätsklinikum Tübingen – Ratgeber Wochenbett: Informationen zu Nachwehen und Warnzeichen im Wochenbett.
• ACOG – Postpartum Pain Management: Hinweise zu Schmerzen nach der Geburt und Symptomen, bei denen medizinische Hilfe nötig ist.
