Sekundärer Kinderwunsch: Wenn das zweite Kind ausbleibt
Wenn das erste Kind schon da ist – und trotzdem ein Kinderwunsch bleibt
„Beim ersten Mal hat es doch auch geklappt – warum jetzt nicht mehr?“
Vielleicht kennst du diesen Gedanken.
Du hast bereits ein Kind und bist dankbar für deine Familie. Und trotzdem gibt es diesen Wunsch nach einem weiteren Baby.
Vielleicht hast du dir schon während der ersten Schwangerschaft vorgestellt, wie schön es wäre, wenn dein Kind später einmal ein Geschwisterchen bekommt. Vielleicht hattest du sogar eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie groß der Altersabstand sein sollte.
Und dann vergeht Monat für Monat.
Die Schwangerschaft bleibt aus.
Was zunächst wie eine kleine Verzögerung wirkt, kann irgendwann emotional sehr belastend werden.
Denn beim sekundären Kinderwunsch weißt du bereits, wie es sich anfühlt, ein eigenes Kind zu bekommen. Du kennst die Schwangerschaft, die Vorfreude und vielleicht auch die Geburt.
Und gleichzeitig fehlt da dieses eine Kind, auf das du so sehr hoffst.

Ich kenne dieses Warten selbst
Der Begriff sekundärer Kinderwunsch ist für mich nicht nur ein medizinischer Begriff. Ich habe selbst erlebt, wie lange sich der Wunsch nach einem weiteren Kind hinziehen kann.
Nach meinem ersten Sohn hatte ich mir immer einen eher kleinen Altersabstand zwischen meinen Kindern gewünscht.
Doch meine Realität sah anders aus.
Mein erster Sohn war bereits vier Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde. Heute haben meine beiden Jungs einen Altersunterschied von fünf Jahren.
Natürlich liebe ich unsere Familiengeschichte genauso, wie sie geworden ist. Aber die Jahre des Wartens waren nicht immer leicht.
Denn wenn man sich ein weiteres Kind wünscht, kann ein Jahr bereits sehr lang sein. Vier Jahre können sich wie eine Ewigkeit anfühlen.
Was meinen persönlichen Weg zusätzlich schwierig gemacht hat: Ich wusste selbst nicht genau, warum es so lange dauerte.
Ich hatte weiterhin meine Periode und auch Eisprünge.
Ich hatte meinen ersten Sohn außerdem sehr lange gestillt – fast drei Jahre. Deshalb habe ich mich im Nachhinein immer wieder gefragt, ob die lange Stillzeit und die damit verbundene hormonelle Situation bei mir möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten.
Aber ich weiß es nicht.
Und genau das möchte ich auch so ehrlich sagen:
Ich kenne die genaue Ursache für meinen langen sekundären Kinderwunsch nicht.
Es wäre nicht richtig, im Nachhinein eine Vermutung als medizinische Tatsache darzustellen.
Meine Geschichte ist deshalb kein Beweis dafür, dass langes Stillen einen späteren Kinderwunsch erschwert. Sie zeigt vielmehr, dass eine Schwangerschaft auch dann länger auf sich warten lassen kann, wenn regelmäßig Blutungen und Eisprünge vorhanden sind.
Was bedeutet sekundärer Kinderwunsch?
Von einem sekundären Kinderwunsch spricht man, wenn bereits mindestens eine Schwangerschaft eingetreten ist und nun erneut eine Schwangerschaft gewünscht wird.
Wenn trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Dabei gelten grundsätzlich ähnliche medizinische Überlegungen wie beim erstmaligen unerfüllten Kinderwunsch.
Gleichzeitig gibt es beim sekundären Kinderwunsch einige Besonderheiten.
Denn zwischen der ersten und der nächsten Schwangerschaft können Jahre liegen.
In dieser Zeit können sich beispielsweise verändern:
• das Alter
• der Zyklus
• der Eisprung
• die hormonelle Situation
• die Gesundheit
• bestehende Erkrankungen
• Medikamente
• Gewicht und körperliche Belastung
• die Lebenssituation
• die Fruchtbarkeit des Partners
Deshalb sollte nicht nur gefragt werden:„Warum hat es damals funktioniert?“
Sondern auch:„Wie sieht meine Situation heute aus?“
Warum klappt es beim zweiten Kind manchmal nicht
Die Ursachen für einen sekundären Kinderwunsch können sehr unterschiedlich sein.
Manchmal findet sich eine eindeutige Erklärung. Manchmal kommen mehrere Faktoren zusammen. Und manchmal lässt sich trotz Untersuchung zunächst keine klare Ursache feststellen.
Veränderung des Eisprungs
Für eine natürliche Schwangerschaft ist ein Eisprung notwendig.
Findet er nur selten oder gar nicht statt, kann das die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft deutlich reduzieren.
Mögliche Ursachen für einen ausbleibenden oder unregelmäßigen Eisprung können unter anderem sein:
• PCOS
• hypothalamische Amenorrhö
• Veränderungen der Schilddrüsenfunktion
• erhöhte Prolaktinwerte
• deutliche Gewichtsveränderungen
• sehr hohe körperliche Belastung
• eine zu geringe Energiezufuhr
• bestimmte Medikamente
• andere hormonelle Veränderungen
Gerade beim sekundären Kinderwunsch kann deshalb die Frage interessant sein, ob sich dein Zyklus seit der ersten Schwangerschaft verändert hat.
Ist er länger geworden?
Kürzer?
Unregelmäßiger?
Oder bleibt die Periode manchmal aus?
Wenn du deinen Eisprung genauer beobachten möchtest, können Methoden wie Zervixschleimbeobachtung, Basaltemperatur und Ovulationstests Hinweise liefern.
Mehr dazu findest du auch in meinen Artikeln „Eisprung erkennen“, „Zervixschleim verstehen“ und „Ovulationstests richtig anwenden“.
Aber was, wenn der Eisprung regelmäßig stattfindet?
Genau hier wird es interessant.
Ein regelmäßiger Zyklus und ein Eisprung sind wichtige Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. Sie garantieren aber nicht, dass eine Schwangerschaft sofort eintritt.
Das habe ich selbst erlebt.
Bei meinem sekundären Kinderwunsch hatte ich weiterhin meine Periode und Eisprünge. Trotzdem dauerte es ungefähr vier Jahre, bis ich wieder schwanger wurde.
Bis heute weiß ich nicht sicher, warum es so lange gedauert hat.
Das möchte ich bewusst erwähnen, weil Kinderwunsch manchmal komplexer ist, als es einzelne Ratgeber vermuten lassen.
Man kann einen regelmäßigen Zyklus haben.
Man kann Eisprünge haben.
Und trotzdem kann eine Schwangerschaft länger auf sich warten lassen.
Das Alter zwischen zwei Schwangerschaften
Ein Faktor, der beim sekundären Kinderwunsch besonders relevant sein kann, ist das Alter.
Vielleicht hast du dein erstes Kind mit Ende 20 bekommen und möchtest nun mit Mitte 30 ein weiteres Kind
In dieser Zeit kann sich die Fruchtbarkeit verändern.
Mit zunehmendem Alter nimmt insbesondere die Wahrscheinlichkeit ab, in einem einzelnen Zyklus schwanger zu werden. Gleichzeitig steigt das Risiko für chromosomale Veränderungen der Eizellen.
Das bedeutet nicht, dass eine Schwangerschaft mit 35, 38 oder 40 Jahren nicht möglich ist.
Viele Frauen werden auch in diesem Alter spontan schwanger.
Es bedeutet vielmehr, dass das Alter bei der Einschätzung des Kinderwunsches zunehmend berücksichtigt wird.
Stillen und sekundärer Kinderwunsch
Stillen kann die Fruchtbarkeit beeinflussen.
Das Hormon Prolaktin, das für die Milchbildung wichtig ist, kann die Fortpflanzungshormone beeinflussen. Bei intensivem Stillen kann deshalb der Eisprung ausbleiben und die Menstruation für längere Zeit nicht zurückkehren.
Das ist ein normaler physiologischer Vorgang und nicht automatisch ein Zeichen für eine Erkrankung.
Meine eigene Situation war allerdings anders.
Ich habe meinen ersten Sohn fast drei Jahre gestillt und hatte trotzdem einen regelmäßigen Zyklus und Eisprünge.
Deshalb kann ich heute nicht sagen, dass die lange Stillzeit die Ursache für meinen langen sekundären Kinderwunsch war.
Ich habe lediglich die Vermutung, dass die lange Stillzeit und die damit verbundene hormonelle Situation möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten.
Ob das tatsächlich so war, weiß ich nicht.
Diese Unterscheidung ist wichtig.
Eine persönliche Vermutung ist keine medizinisch nachgewiesene Ursache
PCOS kann den Eisprung beeinflussen
Auch PCOS kann hinter einem erschwerten Kinderwunsch stehen.
Bei PCOS treten häufig unregelmäßige oder ausbleibende Eisprünge auf. Zusätzlich können erhöhte Androgene und bestimmte Veränderungen an den Eierstöcken vorkommen.
Doch gerade hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig.
Viele kleine Follikel im Ultraschall bedeuten nicht automatisch PCOS.
Auch ein erhöhter AMH-Wert allein stellt keine PCOS-Diagnose.
Diese Unterscheidung ist für mich persönlich besonders relevant, weil ich bei meinem ersten Kinderwunsch selbst erlebt habe, wie schnell einzelne Befunde in eine bestimmte Richtung interpretiert werden können.
Bei mir wurden damals ein erhöhter AMH-Wert und viele kleine Follikel festgestellt. Zunächst wurde ein PCOS vermutet. Später stellte sich heraus, dass meine Zyklusstörung durch eine hypothalamische Amenorrhö erklärt wurde.
Mein späterer sekundärer Kinderwunsch war dagegen ganz anders: regelmäßige Periode, Eisprünge – und trotzdem ein langes Warten.
Meine beiden Erfahrungen haben mir gezeigt, dass man Kinderwunsch nicht nach einem einzigen Schema beurteilen kann.
Mehr dazu:„HA oder PCOS? Die wichtigsten Unterschiede einfach erklärt“ und „AMH-Wert bei Kinderwunsch: Bedeutung, Werte & häufige Irrtümer“
Schilddrüse und Prolaktin
Auch hormonelle Veränderungen außerhalb der Eierstöcke können den Zyklus und die Fruchtbarkeit beeinflussen.
Dazu gehören unter anderem Erkrankungen der Schilddrüse und erhöhte Prolaktinwerte.
Bei deutlichen Zyklusveränderungen oder ausbleibender Periode kann es deshalb sinnvoll sein, diese Faktoren gezielt ärztlich zu überprüfen.
| Dabei gilt jedoch auch hier: Nicht jeder Wert muss bei jeder Frau automatisch untersucht werden. |
Eine gute Diagnostik orientiert sich an der individuellen Vorgeschichte.
Wenn beispielsweise die Periode regelmäßig kommt, keine entsprechenden Beschwerden bestehen und keine besonderen Risikofaktoren vorliegen, ist nicht automatisch jede denkbare Hormonuntersuchung notwendig.
Das Ziel sollte nicht sein, möglichst viele Werte zu sammeln.
Das Ziel sollte sein, relevante Fragen zu beantworten.
Endometriose und andere gynäkologische Ursachen
Auch Erkrankungen wie Endometriose können einen Kinderwunsch erschweren.
Endometriose kann unter anderem mit Entzündungsprozessen, Verwachsungen und Veränderungen an Eierstöcken oder Eileitern verbunden sein.
Dabei können die Beschwerden sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
Starke Regelschmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder chronische Unterbauchschmerzen können Hinweise sein, die ärztlich besprochen werden sollten.
Aber auch ohne ausgeprägte Beschwerden kann Endometriose vorkommen.
Wenn bei dir bereits eine Endometriose bekannt ist oder entsprechende Beschwerden bestehen, gehört diese Information deshalb in die Kinderwunschanamnese.
Mehr dazu findest du im Artikel „Endometriose & Kinderwunsch“.
Eileiter und Gebärmutter
Nicht jede Ursache eines sekundären Kinderwunsches liegt bei den Hormonen.
Auch die anatomischen Voraussetzungen können eine Rolle spielen.
Für eine natürliche Befruchtung müssen Eizelle und Spermien zueinander gelangen können. Veränderungen der Eileiter können diesen Weg erschweren.
Auch die Gebärmutter kann bei der Kinderwunschabklärung betrachtet werden.
Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt von der persönlichen Vorgeschichte ab.
Es geht also nicht darum, jede Frau mit sekundärem Kinderwunsch automatisch mit allen verfügbaren Untersuchungen zu konfrontieren.
Vielmehr sollte Schritt für Schritt überlegt werden: Welche Ursache ist aufgrund meiner persönlichen Geschichte überhaupt wahrscheinlich – und welche Untersuchung kann diese Frage sinnvoll beantworten?
Auch der Mann gehört zur Kinderwunschdiagnostik
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Sekundärer Kinderwunsch ist nicht automatisch ein Problem der Frau.
Auch die männliche Fruchtbarkeit kann sich verändern.
Deshalb gehört bei einer umfassenden Abklärung auch die Situation des Partners dazu.
Ein Spermiogramm kann beispielsweise zeigen, wie viele Spermien vorhanden sind und wie beweglich und geformt sie sind.
Das ist wichtig, weil die Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches bei der Frau, beim Mann, bei beiden Partnern oder manchmal auch trotz Untersuchungen unklar bleiben kann.
Eine gemeinsame Betrachtung verhindert, dass die gesamte Verantwortung automatisch beim weiblichen Körper landet.
Was kann bei sekundärem Kindewunsch untersucht werden?
Eine gute Diagnostik beginnt zunächst mit einem ausführlichen Gespräch.
Dabei können unter anderem folgende Fragen eine Rolle spielen:
• Wie lange besteht der Kinderwunsch?
• Wie alt bist du?
• Wie verlief die erste Schwangerschaft?
• Wie regelmäßig ist deine Periode?
• Gibt es Hinweise auf einen Eisprung?
• Stillst du noch oder hast du kürzlich abgestillt?
• Gibt es Schmerzen oder andere Beschwerden?
• Gibt es bekannte Erkrankungen?
• Welche Medikamente nimmst du?
• Gab es frühere Operationen?
• Gibt es relevante Faktoren beim Partner?
Je nach Situation können anschließend unterschiedliche Untersuchungen sinnvoll sein.
Dazu gehören beispielsweise:
• Zyklus- und Eisprungbeurteilung
• ausgewählte Blutuntersuchungen
• Ultraschall
• gegebenenfalls Untersuchung der Eileiter
• Spermiogramm des Partners
Nicht jede Frau braucht automatisch jede Untersuchung.
Das Ziel sollte nicht sein, möglichst viel zu testen, sondern die richtigen Fragen zu beantworten.
Was ist mit dem AMH-Wert?
Der AMH-Wert wird beim Kinderwunsch häufig als eine Art „Fruchtbarkeitstest“ verstanden.
Das ist zu vereinfacht.
AMH kann Informationen über die ovarielle Reserve liefern, ist aber kein Test, der zuverlässig vorhersagt, ob eine Frau spontan schwanger werden wird.
Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch eine besonders gute Fruchtbarkeit.
Ein niedriger Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist.
Und ein einzelner AMH-Wert kann keine Diagnose wie PCOS allein beweisen.
Meine persönliche Geschichte hat mir genau das besonders deutlich gemacht.
Ein Laborwert ist ein Puzzleteil. Nicht das ganze Puzzle.
Was du selbst beobachten kannst
Auch wenn Selbstbeobachtung keine ärztliche Diagnostik ersetzt, kann sie dir helfen, deinen eigenen Zyklus besser kennenzulernen.
Beobachte deinen Zervixschleim
Der Zervixschleim verändert sich unter dem Einfluss der Hormone im Laufe des Zyklus.
Eine Veränderung hin zu durchsichtigem, dehnbarem und sehr feuchtem Schleim kann auf die fruchtbare Phase hinweisen.
Miss deine Basaltemperatur
Die Basaltemperatur kann nach einem Eisprung ansteigen.
Über mehrere Zyklen kann eine Temperaturkurve deshalb Hinweise darauf geben, ob ein Eisprung wahrscheinlich stattgefunden hat.
Nutze Ovulationstests bewusst
LH-Tests können einen bevorstehenden LH-Anstieg anzeigen.
Sie sind jedoch kein absoluter Beweis dafür, dass anschließend tatsächlich ein Eisprung stattgefunden hat.
Gerade bei unregelmäßigen Zyklen können sie außerdem schwieriger zu interpretieren sein.
Notiere deinen Zyklus
Schon einfache Notizen können hilfreich sein:
• erster Tag der Periode
• Zykluslänge
• Zervixschleim
• Temperatur
• Ovulationstest
• Schmerzen
• besondere Veränderungen
Das kann dir selbst helfen, Muster zu erkennen und bei einem Arzttermin konkrete Informationen mitzubringen.
Wann solltest du den Kinderwunsch abklären lassen?
Als allgemeine Orientierung wird häufig empfohlen, bei Frauen unter 35 Jahren nach zwölf Monaten regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaft eine Abklärung vorzunehmen.
Ab 35 Jahren wird häufig bereits nach sechs Monaten empfohlen, ärztlichen Rat einzuholen.
Bei bekannten oder vermuteten Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein.
Du musst also nicht zwingend warten, bis eine bestimmte Zeit vergangen ist, wenn du aufgrund deiner Vorgeschichte bereits Fragen oder Sorgen hast.
Ein Gespräch kann zunächst einfach dabei helfen, die eigene Situation besser einzuordnen.
Du darfst deinen Kinderwunsch ernst nehmen
Beim sekundären Kinderwunsch kommt manchmal ein zusätzlicher emotionaler Druck hinzu.
Vielleicht denkst du:„Ich habe doch schon ein Kind. Ich sollte dankbar sein.“
Natürlich darfst du dankbar sein.
Und gleichzeitig darfst du dir ein weiteres Kind wünschen.
Beides kann nebeneinander existieren.
Du darfst dich über deine Familie freuen und trotzdem traurig sein, wenn sie nicht so schnell wächst, wie du es dir vorgestellt hast.
Du darfst dich für eine schwangere Freundin freuen und gleichzeitig selbst traurig sein.
Du darfst hoffen.
Und du darfst erschöpft sein.
| Auch ein zweiter Kinderwunsch ist ein echter Kinderwunsch. |
Was ich aus meinem eigenen Weg gelernt habe
Wenn ich heute auf die Zeit zwischen meinen beiden Schwangerschaften zurückblicke, denke ich manchmal daran, wie sehr ich mir damals einen kleinen Altersabstand gewünscht hatte.
Stattdessen war mein erster Sohn bereits vier Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde.
Heute sind meine beiden Jungs fünf Jahre auseinander.
Nicht der Altersabstand, den ich mir ursprünglich vorgestellt hatte.
Aber genau so ist unsere Familie geworden.
Ich kann dir nicht sagen, warum es bei mir so lange gedauert hat.
Ich kann dir auch nicht versprechen, wie dein eigener Weg aussehen wird.
Aber meine Geschichte hat mir gezeigt, dass Kinderwunsch nicht immer eine einfache Ursache und eine einfache Antwort hat.
Und vielleicht ist genau das etwas, das du dir erlauben darfst: Nicht sofort alles erklären zu können.
Aber trotzdem Fragen zu stellen.
Deine Situation ernst zu nehmen.
Und dir Unterstützung zu holen, wenn du sie brauchst.
Fazit: Wenn das zweite Kind auf sich warten lässt
Sekundärer Kinderwunsch kann viele verschiedene Ursachen haben.
Manchmal liegt eine Zyklusstörung oder ein hormonelles Problem vor. Manchmal spielen Endometriose, Eileiter, Gebärmutter oder die männliche Fruchtbarkeit eine Rolle. Manchmal verändert sich die Fruchtbarkeit mit dem Alter.
Und manchmal findet sich trotz sorgfältiger Untersuchung zunächst keine eindeutige Erklärung.
Meine eigene Geschichte zeigt genau diese Komplexität.
Ich hatte beim sekundären Kinderwunsch regelmäßige Perioden und Eisprünge. Trotzdem dauerte es vier Jahre, bis ich wieder schwanger wurde.
Warum? Das weiß ich bis heute nicht sicher.
Meine lange Stillzeit von fast drei Jahren war für mich eine mögliche Erklärung, weil ich mich gefragt habe, ob die hormonelle Situation dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Aber es bleibt eine persönliche Vermutung und keine medizinisch bestätigte Ursache.
Gleichzeitig habe ich bei meinem ersten Kinderwunsch eine ganz andere Erfahrung gemacht: Damals hatte ich eine hypothalamische Amenorrhö und zunächst eine PCOS-Vermutung.
Diese beiden Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, den Kinderwunsch nicht anhand eines einzelnen Laborwertes, eines Ultraschallbildes oder eines Symptoms zu beurteilen.
Laborwerte, Ultraschall und einzelne Symptome sind wichtige Puzzleteile – eine fundierte Einschätzung entsteht jedoch erst durch die ganzheitliche Betrachtung der individuellen Situation.
Wenn dein zweiter Kinderwunsch schon länger besteht, musst du damit nicht alleine bleiben. Eine individuelle medizinische Abklärung kann helfen, mögliche Ursachen zu erkennen oder auch Gewissheit darüber zu bekommen, dass bestimmte Faktoren unauffällig sind.
Und unabhängig davon, wie lange dein Weg schon dauert:
| Du musst deinen Kinderwunsch nicht kleinreden, nur weil du bereits ein Kind hast. |
Häufige Fragen zum sekundären Kinderwunsch
Was bedeutet sekundärer Kinderwunsch?
Sekundärer Kinderwunsch bezeichnet den Wunsch nach einer weiteren Schwangerschaft, nachdem bereits mindestens eine Schwangerschaft eingetreten ist. Wenn trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Warum klappt es beim zweiten Kind manchmal nicht, obwohl es beim ersten Mal problemlos funktioniert hat?
Die Voraussetzungen können sich zwischen zwei Schwangerschaften verändern. Alter, Eisprung, hormonelle Faktoren, Erkrankungen, Eileiter, Gebärmutter und die männliche Fruchtbarkeit können eine Rolle spielen. Manchmal lässt sich trotz Untersuchung keine eindeutige Ursache finden.
Kann man trotz regelmäßigem Zyklus Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden?
Ja. Ein regelmäßiger Zyklus und Eisprünge sind wichtige Voraussetzungen, garantieren aber keine Schwangerschaft in jedem Zyklus.
Kann langes Stillen einen Kinderwunsch beeinflussen?
Stillen kann über das Hormon Prolaktin den Eisprung beeinflussen, insbesondere wenn sehr häufig gestillt wird. Die Auswirkungen sind individuell unterschiedlich. Ob eine lange Stillzeit bei einer bestimmten Frau die Ursache für einen verzögerten Kinderwunsch war, lässt sich nicht allein daraus ableiten.
Wann sollte man sekundären Kinderwunsch abklären lassen?
Als Orientierung gilt häufig: nach zwölf Monaten bei Frauen unter 35 Jahren und nach sechs Monaten ab 35 Jahren. Bei bekannten oder vermuteten Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können, kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein.
Welche Untersuchungen können sinnvoll sein?
Je nach Situation können Zyklus- und Eisprungbeurteilung, bestimmte Blutwerte, Ultraschall, die Untersuchung der Eileiter sowie ein Spermiogramm des Partners infrage kommen.
Ist ein hoher AMH-Wert ein Zeichen für gute Fruchtbarkeit?
Nein. AMH liefert Informationen über die ovarielle Reserve, ist aber kein alleiniger Test für die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft und kann eine PCOS-Diagnose nicht allein stellen.
Weiterführende Artikel
Wenn du dich näher mit einzelnen Aspekten beschäftigen möchtest, findest du auf Wundervoll Geborgen unter anderem weitere Informationen zu:
• Meine persönliche Kinderwunsch Geschichte
• Hypothalamischer Amenorrhö
• HA oder PCOS? Die wichtigsten Unterschiede
• AMH-Wert bei Kinderwunsch
• Blutwerte bei Kinderwunsch
• Schilddrüse & Kinderwunsch
• Endometriose & Kinderwunsch
• Eisprung erkennen
• Zervixschleim verstehen
• NAC bei Kinderwunsch
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn dein Kinderwunsch bereits länger besteht, deine Periode ausbleibt oder unregelmäßig ist oder andere Beschwerden bestehen, besprich deine persönliche Situation mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder einer spezialisierten Kinderwunschpraxis.
