Sekundärer Kinderwunsch: Wenn das zweite Kind ausbleibt

Wenn das erste Kind schon da ist – und trotzdem ein Kinderwunsch bleibt

„Beim ersten Mal hat es doch auch geklappt – warum jetzt nicht mehr?“

Vielleicht kennst du diesen Gedanken.

Du hast bereits ein Kind und bist dankbar für deine Familie. Und trotzdem gibt es diesen Wunsch nach einem weiteren Baby.

Vielleicht hast du dir schon während der ersten Schwangerschaft vorgestellt, wie schön es wäre, wenn dein Kind später einmal ein Geschwisterchen bekommt. Vielleicht hattest du sogar eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie groß der Altersabstand sein sollte.

Und dann vergeht Monat für Monat.

Die Schwangerschaft bleibt aus.

Was zunächst wie eine kleine Verzögerung wirkt, kann irgendwann emotional sehr belastend werden.

Denn beim sekundären Kinderwunsch weißt du bereits, wie es sich anfühlt, ein eigenes Kind zu bekommen. Du kennst die Schwangerschaft, die Vorfreude und vielleicht auch die Geburt.

Und gleichzeitig fehlt da dieses eine Kind, auf das du so sehr hoffst.

Sekundärer Kinderwunsch

Ich kenne dieses Warten selbst

Der Begriff sekundärer Kinderwunsch ist für mich nicht nur ein medizinischer Begriff. Ich habe selbst erlebt, wie lange sich der Wunsch nach einem weiteren Kind hinziehen kann.

Nach meinem ersten Sohn hatte ich mir immer einen eher kleinen Altersabstand zwischen meinen Kindern gewünscht.

Doch meine Realität sah anders aus.

Mein erster Sohn war bereits vier Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde. Heute haben meine beiden Jungs einen Altersunterschied von fünf Jahren.

Natürlich liebe ich unsere Familiengeschichte genauso, wie sie geworden ist. Aber die Jahre des Wartens waren nicht immer leicht.

Denn wenn man sich ein weiteres Kind wünscht, kann ein Jahr bereits sehr lang sein. Vier Jahre können sich wie eine Ewigkeit anfühlen.

Was meinen persönlichen Weg zusätzlich schwierig gemacht hat: Ich wusste selbst nicht genau, warum es so lange dauerte.

Ich hatte weiterhin meine Periode und auch Eisprünge.

Ich hatte meinen ersten Sohn außerdem sehr lange gestillt – fast drei Jahre. Deshalb habe ich mich im Nachhinein immer wieder gefragt, ob die lange Stillzeit und die damit verbundene hormonelle Situation bei mir möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten.

Aber ich weiß es nicht.

Und genau das möchte ich auch so ehrlich sagen:

Ich kenne die genaue Ursache für meinen langen sekundären Kinderwunsch nicht.

Es wäre nicht richtig, im Nachhinein eine Vermutung als medizinische Tatsache darzustellen.

Meine Geschichte ist deshalb kein Beweis dafür, dass langes Stillen einen späteren Kinderwunsch erschwert. Sie zeigt vielmehr, dass eine Schwangerschaft auch dann länger auf sich warten lassen kann, wenn regelmäßig Blutungen und Eisprünge vorhanden sind.


Was bedeutet sekundärer Kinderwunsch?

Von einem sekundären Kinderwunsch spricht man, wenn bereits mindestens eine Schwangerschaft eingetreten ist und nun erneut eine Schwangerschaft gewünscht wird.

Wenn trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.

Dabei gelten grundsätzlich ähnliche medizinische Überlegungen wie beim erstmaligen unerfüllten Kinderwunsch.

Gleichzeitig gibt es beim sekundären Kinderwunsch einige Besonderheiten.

Denn zwischen der ersten und der nächsten Schwangerschaft können Jahre liegen.

In dieser Zeit können sich beispielsweise verändern:

• das Alter
• der Zyklus
• der Eisprung
• die hormonelle Situation
• die Gesundheit
• bestehende Erkrankungen
• Medikamente
• Gewicht und körperliche Belastung
• die Lebenssituation
• die Fruchtbarkeit des Partners

Deshalb sollte nicht nur gefragt werden:„Warum hat es damals funktioniert?

Sondern auch:„Wie sieht meine Situation heute aus?


Warum klappt es beim zweiten Kind manchmal nicht


Veränderung des Eisprungs


Aber was, wenn der Eisprung regelmäßig stattfindet?

Ein regelmäßiger Zyklus und ein Eisprung sind wichtige Voraussetzungen für eine Schwangerschaft. Sie garantieren aber nicht, dass eine Schwangerschaft sofort eintritt.

Das habe ich selbst erlebt.

Bei meinem sekundären Kinderwunsch hatte ich weiterhin meine Periode und Eisprünge. Trotzdem dauerte es ungefähr vier Jahre, bis ich wieder schwanger wurde.

Bis heute weiß ich nicht sicher, warum es so lange gedauert hat.

Das möchte ich bewusst erwähnen, weil Kinderwunsch manchmal komplexer ist, als es einzelne Ratgeber vermuten lassen.

Man kann einen regelmäßigen Zyklus haben.

Man kann Eisprünge haben.


Das Alter zwischen zwei Schwangerschaften


Stillen und sekundärer Kinderwunsch

Das Hormon Prolaktin, das für die Milchbildung wichtig ist, kann die Fortpflanzungshormone beeinflussen. Bei intensivem Stillen kann deshalb der Eisprung ausbleiben und die Menstruation für längere Zeit nicht zurückkehren.

Das ist ein normaler physiologischer Vorgang und nicht automatisch ein Zeichen für eine Erkrankung.

Meine eigene Situation war allerdings anders.

Ich habe meinen ersten Sohn fast drei Jahre gestillt und hatte trotzdem einen regelmäßigen Zyklus und Eisprünge.

Deshalb kann ich heute nicht sagen, dass die lange Stillzeit die Ursache für meinen langen sekundären Kinderwunsch war.

Ich habe lediglich die Vermutung, dass die lange Stillzeit und die damit verbundene hormonelle Situation möglicherweise eine Rolle gespielt haben könnten.

Ob das tatsächlich so war, weiß ich nicht.

Diese Unterscheidung ist wichtig.


PCOS kann den Eisprung beeinflussen


Schilddrüse und Prolaktin

Dabei gilt jedoch auch hier:
Nicht jeder Wert muss bei jeder Frau automatisch untersucht werden.

Endometriose und andere gynäkologische Ursachen


Eileiter und Gebärmutter

Nicht jede Ursache eines sekundären Kinderwunsches liegt bei den Hormonen.

Auch die anatomischen Voraussetzungen können eine Rolle spielen.

Für eine natürliche Befruchtung müssen Eizelle und Spermien zueinander gelangen können. Veränderungen der Eileiter können diesen Weg erschweren.

Auch die Gebärmutter kann bei der Kinderwunschabklärung betrachtet werden.

Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt von der persönlichen Vorgeschichte ab.

Es geht also nicht darum, jede Frau mit sekundärem Kinderwunsch automatisch mit allen verfügbaren Untersuchungen zu konfrontieren.

Vielmehr sollte Schritt für Schritt überlegt werden: Welche Ursache ist aufgrund meiner persönlichen Geschichte überhaupt wahrscheinlich – und welche Untersuchung kann diese Frage sinnvoll beantworten?


Auch der Mann gehört zur Kinderwunschdiagnostik

Ein weiterer wichtiger Punkt:

Sekundärer Kinderwunsch ist nicht automatisch ein Problem der Frau.

Auch die männliche Fruchtbarkeit kann sich verändern.

Deshalb gehört bei einer umfassenden Abklärung auch die Situation des Partners dazu.

Ein Spermiogramm kann beispielsweise zeigen, wie viele Spermien vorhanden sind und wie beweglich und geformt sie sind.

Das ist wichtig, weil die Ursache eines unerfüllten Kinderwunsches bei der Frau, beim Mann, bei beiden Partnern oder manchmal auch trotz Untersuchungen unklar bleiben kann.

Eine gemeinsame Betrachtung verhindert, dass die gesamte Verantwortung automatisch beim weiblichen Körper landet.


Was kann bei sekundärem Kindewunsch untersucht werden?

Dabei können unter anderem folgende Fragen eine Rolle spielen:

• Wie lange besteht der Kinderwunsch?
• Wie alt bist du?
• Wie verlief die erste Schwangerschaft?
• Wie regelmäßig ist deine Periode?
• Gibt es Hinweise auf einen Eisprung?
• Stillst du noch oder hast du kürzlich abgestillt?
• Gibt es Schmerzen oder andere Beschwerden?
• Gibt es bekannte Erkrankungen?
• Welche Medikamente nimmst du?
• Gab es frühere Operationen?
• Gibt es relevante Faktoren beim Partner?

Je nach Situation können anschließend unterschiedliche Untersuchungen sinnvoll sein.

Dazu gehören beispielsweise:

• Zyklus- und Eisprungbeurteilung
• ausgewählte Blutuntersuchungen
• Ultraschall
• gegebenenfalls Untersuchung der Eileiter
• Spermiogramm des Partners

Nicht jede Frau braucht automatisch jede Untersuchung.


Was ist mit dem AMH-Wert?


Was du selbst beobachten kannst

Beobachte deinen Zervixschleim

Miss deine Basaltemperatur

Nutze Ovulationstests bewusst

Notiere deinen Zyklus

Schon einfache Notizen können hilfreich sein:

• erster Tag der Periode
• Zykluslänge
• Zervixschleim
• Temperatur
• Ovulationstest
• Schmerzen
• besondere Veränderungen

Das kann dir selbst helfen, Muster zu erkennen und bei einem Arzttermin konkrete Informationen mitzubringen.


Wann solltest du den Kinderwunsch abklären lassen?

Als allgemeine Orientierung wird häufig empfohlen, bei Frauen unter 35 Jahren nach zwölf Monaten regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Schwangerschaft eine Abklärung vorzunehmen.

Ab 35 Jahren wird häufig bereits nach sechs Monaten empfohlen, ärztlichen Rat einzuholen.

Bei bekannten oder vermuteten Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein.

Du musst also nicht zwingend warten, bis eine bestimmte Zeit vergangen ist, wenn du aufgrund deiner Vorgeschichte bereits Fragen oder Sorgen hast.

Ein Gespräch kann zunächst einfach dabei helfen, die eigene Situation besser einzuordnen.


Du darfst deinen Kinderwunsch ernst nehmen

Beim sekundären Kinderwunsch kommt manchmal ein zusätzlicher emotionaler Druck hinzu.

Vielleicht denkst du:„Ich habe doch schon ein Kind. Ich sollte dankbar sein.

Natürlich darfst du dankbar sein.

Und gleichzeitig darfst du dir ein weiteres Kind wünschen.

Beides kann nebeneinander existieren.

Du darfst dich über deine Familie freuen und trotzdem traurig sein, wenn sie nicht so schnell wächst, wie du es dir vorgestellt hast.

Du darfst dich für eine schwangere Freundin freuen und gleichzeitig selbst traurig sein.

Du darfst hoffen.

Und du darfst erschöpft sein.

Auch ein zweiter Kinderwunsch ist ein echter Kinderwunsch.

Was ich aus meinem eigenen Weg gelernt habe

Wenn ich heute auf die Zeit zwischen meinen beiden Schwangerschaften zurückblicke, denke ich manchmal daran, wie sehr ich mir damals einen kleinen Altersabstand gewünscht hatte.

Stattdessen war mein erster Sohn bereits vier Jahre alt, als ich wieder schwanger wurde.

Heute sind meine beiden Jungs fünf Jahre auseinander.

Nicht der Altersabstand, den ich mir ursprünglich vorgestellt hatte.

Aber genau so ist unsere Familie geworden.

Ich kann dir nicht sagen, warum es bei mir so lange gedauert hat.

Ich kann dir auch nicht versprechen, wie dein eigener Weg aussehen wird.

Aber meine Geschichte hat mir gezeigt, dass Kinderwunsch nicht immer eine einfache Ursache und eine einfache Antwort hat.

Und vielleicht ist genau das etwas, das du dir erlauben darfst: Nicht sofort alles erklären zu können.

Aber trotzdem Fragen zu stellen.

Deine Situation ernst zu nehmen.

Und dir Unterstützung zu holen, wenn du sie brauchst.


Fazit: Wenn das zweite Kind auf sich warten lässt

Du musst deinen Kinderwunsch nicht kleinreden, nur weil du bereits ein Kind hast.

Häufige Fragen zum sekundären Kinderwunsch

Was bedeutet sekundärer Kinderwunsch?

Sekundärer Kinderwunsch bezeichnet den Wunsch nach einer weiteren Schwangerschaft, nachdem bereits mindestens eine Schwangerschaft eingetreten ist. Wenn trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.

Warum klappt es beim zweiten Kind manchmal nicht, obwohl es beim ersten Mal problemlos funktioniert hat?

Die Voraussetzungen können sich zwischen zwei Schwangerschaften verändern. Alter, Eisprung, hormonelle Faktoren, Erkrankungen, Eileiter, Gebärmutter und die männliche Fruchtbarkeit können eine Rolle spielen. Manchmal lässt sich trotz Untersuchung keine eindeutige Ursache finden.

Kann man trotz regelmäßigem Zyklus Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden?

Ja. Ein regelmäßiger Zyklus und Eisprünge sind wichtige Voraussetzungen, garantieren aber keine Schwangerschaft in jedem Zyklus.

Kann langes Stillen einen Kinderwunsch beeinflussen?

Stillen kann über das Hormon Prolaktin den Eisprung beeinflussen, insbesondere wenn sehr häufig gestillt wird. Die Auswirkungen sind individuell unterschiedlich. Ob eine lange Stillzeit bei einer bestimmten Frau die Ursache für einen verzögerten Kinderwunsch war, lässt sich nicht allein daraus ableiten.

Wann sollte man sekundären Kinderwunsch abklären lassen?

Als Orientierung gilt häufig: nach zwölf Monaten bei Frauen unter 35 Jahren und nach sechs Monaten ab 35 Jahren. Bei bekannten oder vermuteten Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können, kann eine frühere Abklärung sinnvoll sein.

Welche Untersuchungen können sinnvoll sein?

Je nach Situation können Zyklus- und Eisprungbeurteilung, bestimmte Blutwerte, Ultraschall, die Untersuchung der Eileiter sowie ein Spermiogramm des Partners infrage kommen.

Ist ein hoher AMH-Wert ein Zeichen für gute Fruchtbarkeit?

Nein. AMH liefert Informationen über die ovarielle Reserve, ist aber kein alleiniger Test für die Wahrscheinlichkeit einer spontanen Schwangerschaft und kann eine PCOS-Diagnose nicht allein stellen.


Weiterführende Artikel

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn dein Kinderwunsch bereits länger besteht, deine Periode ausbleibt oder unregelmäßig ist oder andere Beschwerden bestehen, besprich deine persönliche Situation mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder einer spezialisierten Kinderwunschpraxis.