FSH und LH bei Kinderwunsch: 7 wichtige Fakten
Wenn es um den Kinderwunsch geht, stehen häufig Hormone wie Progesteron, Östrogen oder AMH im Mittelpunkt. Doch auch FSH und LH spielen eine zentrale Rolle: Sie steuern wichtige Abläufe im Menstruationszyklus und sind unter anderem daran beteiligt, dass eine Eizelle heranreifen und der Eisprung stattfinden kann.
Aber was genau bedeuten diese beiden Hormone? Was passiert im Körper, wenn FSH und LH zusammenarbeiten? Und warum werden sie bei bestimmten Untersuchungen rund um den Kinderwunsch bestimmt?
In diesem Artikel schauen wir uns die wichtigsten Fakten verständlich an.

1. Was sind FSH und LH überhaupt?
FSH und LH sind sogenannte Gonadotropine. Dabei handelt es sich um Hormone, die in der Hirnanhangsdrüse – der Hypophyse – gebildet und ins Blut abgegeben werden.
Beide Hormone wirken auf die Eierstöcke und übernehmen dort unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Aufgaben.
FSH: Das follikelstimulierende Hormon
FSH steht für follikelstimulierendes Hormon. Es unterstützt vor allem die Reifung der sogenannten Follikel.
Follikel sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen in den Eierstöcken. In ihnen befinden sich die unreifen Eizellen. Während des Zyklus beginnen unter dem Einfluss von FSH mehrere Follikel zu wachsen.
In der Regel entwickelt sich daraus ein sogenannter dominanter Follikel. In diesem reift die Eizelle weiter heran, bis sie für den Eisprung bereit ist.
FSH unterstützt außerdem die Östrogenproduktion im heranreifenden Follikel. Östrogen wiederum trägt unter anderem dazu bei, dass sich die Gebärmutterschleimhaut im Laufe des Zyklus auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet.
LH: Das luteinisierende Hormon
LH steht für luteinisierendes Hormon. Es ist besonders für den Eisprung von Bedeutung.
Während des Zyklus steigt der LH-Spiegel zu einem bestimmten Zeitpunkt deutlich an. Dieser sogenannte LH-Anstieg oder LH-Peak löst normalerweise den Eisprung aus.
Dabei wird die reife Eizelle aus dem Follikel im Eierstock freigesetzt und kann anschließend vom Eileiter aufgenommen werden.
Nach dem Eisprung unterstützt LH außerdem die Umwandlung des zurückbleibenden Follikels in den sogenannten Gelbkörper. Dieser bildet unter anderem Progesteron, das für die zweite Zyklushälfte und die Vorbereitung der Gebärmutterschleimhaut wichtig ist.
2. Welche Aufgabe hat FSH im Zyklus?
FSH ist vor allem zu Beginn des Menstruationszyklus wichtig. Diese Phase wird als Follikelphase bezeichnet.
Der erste Tag der Monatsblutung gilt als erster Zyklustag. Zu Beginn dieser Phase steigt FSH bei vielen Frauen vorübergehend an. Dadurch erhalten mehrere Follikel in den Eierstöcken einen Wachstumsimpuls.
Während die Follikel heranreifen, beginnen sie zunehmend Östrogen zu produzieren. Der steigende Östrogenspiegel trägt dazu bei, dass die Gebärmutterschleimhaut wieder aufgebaut wird.
Mit fortschreitender Follikelreifung wird normalerweise ein Follikel besonders dominant. Dieser entwickelt sich weiter, während die anderen Follikel in ihrer Entwicklung zurückbleiben.
Das Zusammenspiel lässt sich vereinfacht so darstellen:
1. FSH gibt mehreren Follikeln einen Wachstumsimpuls.
2. Die Follikel beginnen heranzureifen.
3. Die Östrogenproduktion steigt.
4. Ein Follikel setzt sich als dominanter Follikel durch.
5. Die Eizelle in diesem Follikel entwickelt sich weiter in Richtung Eisprung.
FSH ist also nicht einfach ein „Fruchtbarkeitshormon“, dessen Wert isoliert betrachtet werden kann. Es ist Teil eines fein abgestimmten Regelkreises zwischen Gehirn, Hirnanhangsdrüse und Eierstöcken.
Was bedeutet ein FSH-Anstieg?
Ein erhöhter FSH-Spiegel kann je nach Zeitpunkt im Zyklus und individueller Situation unterschiedliche Bedeutungen haben.
Zu Beginn des Zyklus kann ein gewisser FSH-Anstieg physiologisch sein. Wird FSH jedoch außerhalb dieses Zusammenhangs oder deutlich erhöht gemessen, kann dies auf eine veränderte Rückmeldung zwischen Eierstöcken und Hirnanhangsdrüse hinweisen.
Mögliche Ursachen lassen sich nicht allein anhand eines einzelnen Wertes feststellen. Dafür müssen unter anderem das Alter, der Zyklustag, weitere Hormonwerte und die persönliche Vorgeschichte berücksichtigt werden.
3. Welche Rolle spielt LH beim Eisprung?
LH übernimmt eine besonders wichtige Aufgabe in der Zeit rund um den Eisprung.
Wenn der heranreifende Follikel zunehmend Östrogen produziert, verändert sich die hormonelle Rückkopplung im Körper. Unter bestimmten Voraussetzungen kommt es dadurch zu einem deutlichen Anstieg des LH-Spiegels.
Dieser LH-Anstieg wird auch als LH-Surge bezeichnet. Er führt dazu, dass der reife Follikel aufspringt und die Eizelle freigibt.
Der Eisprung findet normalerweise ungefähr 12 bis 36 Stunden nach Beginn des LH-Anstiegs statt. Die genaue zeitliche Einordnung kann von Person zu Person variieren.
LH in Ovulationstests
Ovulationstests für zu Hause messen normalerweise LH im Urin. Wird ein bestimmter Schwellenwert überschritten, deutet das auf einen bevorstehenden Eisprung hin.
Für Paare mit Kinderwunsch können solche Tests eine Orientierung bieten. Ein positives Ergebnis bedeutet allerdings nicht in jedem Fall, dass der Eisprung tatsächlich stattfindet. Beispielsweise können bestimmte hormonelle Situationen dazu führen, dass LH ansteigt, ohne dass anschließend ein Eisprung erfolgt.
Auch bei unregelmäßigen Zyklen kann die Interpretation schwieriger sein. Ein Ovulationstest ist deshalb ein hilfreiches Werkzeug, aber kein alleiniger Beweis für einen stattgefundenen Eisprung.
Was passiert nach dem Eisprung?
Nach dem Eisprung verändert sich die Aufgabe des zuvor herangereiften Follikels. Aus ihm entsteht der Gelbkörper.
Der Gelbkörper produziert vor allem Progesteron. Dieses Hormon unterstützt die Vorbereitung und den Erhalt der Gebärmutterschleimhaut für eine mögliche Einnistung.
FSH und LH wirken somit nicht nur vor dem Eisprung, sondern sind Teil eines größeren hormonellen Zusammenspiels, das den gesamten Zyklus begleitet.
4. Was bedeuten erhöhte oder niedrige FSH-Werte?
Wenn FSH im Rahmen einer Kinderwunschdiagnostik untersucht wird, stellt sich häufig die Frage: Ist mein FSH-Wert zu hoch oder zu niedrig?
Die Antwort ist nicht ganz so einfach, denn FSH muss immer im Zusammenhang mit dem Zyklustag, dem Alter und weiteren Untersuchungsergebnissen betrachtet werden.
Ein erhöhter FSH-Wert
Ein deutlich erhöhter FSH-Wert kann darauf hindeuten, dass die Eierstöcke weniger stark auf die hormonellen Signale reagieren. Die Hirnanhangsdrüse versucht dann möglicherweise, durch eine stärkere FSH-Ausschüttung die Follikelreifung anzuregen.
Ein erhöhtes FSH kann beispielsweise im Zusammenhang mit einer verminderten Eierstockfunktion auftreten. Auch in der Zeit vor der Menopause können die FSH-Werte stärker schwanken und teilweise erhöht sein.
Wichtig ist jedoch: Ein einzelner erhöhter FSH-Wert beweist keine eingeschränkte Fruchtbarkeit.
Für die Beurteilung können weitere Faktoren eine Rolle spielen:
• das Alter,
• die Zyklusgeschichte,
• der gemessene Östradiolwert,
• der AMH-Wert,
• die Anzahl der antralen Follikel im Ultraschall,
• frühere Schwangerschaften und medizinische Befunde.
Auch die Wahl des Untersuchungstages ist entscheidend. FSH wird bei einer Fruchtbarkeitsdiagnostik häufig zu Beginn des Zyklus bestimmt, meist am zweiten bis fünften Zyklustag.
Ein niedriger FSH-Wert
Ein niedriger FSH-Wert kann unterschiedliche Ursachen haben. Unter anderem kann er auftreten, wenn die hormonelle Signalübertragung zwischen Gehirn, Hypophyse und Eierstöcken verändert ist.
Mögliche Zusammenhänge sind beispielsweise:
• eine sehr geringe Energieverfügbarkeit,
• starke körperliche Belastung,
• ausgeprägter Stress,
• deutliche Gewichtsveränderungen,
• bestimmte Erkrankungen des Hypothalamus oder der Hypophyse.
Bei einer sogenannten hypothalamischen Amenorrhoe kann die Ausschüttung der übergeordneten Hormonsignale vermindert sein. Dadurch werden auch FSH und LH weniger stark angeregt, und die Follikelreifung kann beeinträchtigt werden.
Ein niedriger FSH-Wert ist allerdings nicht automatisch ein gutes Zeichen für eine besonders hohe Fruchtbarkeit. Ebenso wenig bedeutet ein höherer Wert allein, dass keine Schwangerschaft möglich ist.
FSH und die ovarielle Reserve
FSH wird manchmal genutzt, um Hinweise auf die sogenannte ovarielle Reserve zu erhalten. Damit ist vereinfacht gesagt die noch vorhandene Eizellreserve der Eierstöcke gemeint.
FSH ist hierfür jedoch nur ein Teil des Gesamtbildes. Der Wert kann von Zyklus zu Zyklus schwanken und lässt keine exakte Vorhersage darüber zu, ob oder wann eine Schwangerschaft eintreten wird.
Auch der AMH-Wert und die Anzahl der antralen Follikel können bei der Beurteilung der ovariellen Reserve berücksichtigt werden. Sie sagen jedoch ebenfalls nicht zuverlässig voraus, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft in einem bestimmten Zyklus ist.
5. Was können auffällige LH-Werte bedeuten?
Auch bei LH kommt es darauf an, wann der Wert gemessen wurde und in welcher hormonellen Situation sich der Körper gerade befindet.
LH verändert sich im Laufe des Zyklus. Vor dem Eisprung kann es zu einem deutlichen Anstieg kommen. Zu anderen Zeitpunkten ist der LH-Spiegel normalerweise niedriger.
Erhöhtes LH
Ein erhöhter LH-Wert kann unter anderem während des natürlichen LH-Anstiegs kurz vor dem Eisprung auftreten. Das ist ein normaler Bestandteil des Zyklus.
Wenn LH jedoch außerhalb dieser Phase auffällig hoch ist, können verschiedene Ursachen infrage kommen. Bei manchen Frauen mit PCOS beziehungsweise PMOS können beispielsweise veränderte LH-Muster beobachtet werden.
Ein einzelner erhöhter LH-Wert reicht jedoch nicht aus, um eine bestimmte Diagnose zu stellen. Für die Beurteilung sind auch der Zyklusverlauf, weitere Hormone und mögliche Symptome relevant.
Niedriges LH
Ein niedriger LH-Wert kann beispielsweise auftreten, wenn die übergeordnete hormonelle Steuerung abgeschwächt ist. Das kann unter anderem bei einer sehr niedrigen Energieverfügbarkeit, intensiver körperlicher Belastung oder bestimmten Erkrankungen der hormonproduzierenden Organe eine Rolle spielen.
Wenn LH nicht ausreichend ausgeschüttet wird, kann der LH-Anstieg ausbleiben. In diesem Fall kann es sein, dass kein Eisprung stattfindet.
Allerdings lässt sich aus einem einzelnen niedrigen LH-Wert nicht sicher ableiten, ob ein Eisprung stattfindet oder nicht. Dafür sind andere Untersuchungen und der Verlauf des gesamten Zyklus aussagekräftiger.
LH und PCOS beziehungsweise PMOS
Bei PCOS beziehungsweise PMOS können die Hormonmuster verändert sein. Bei einigen Betroffenen ist LH erhöht oder das Verhältnis von LH zu FSH verändert.
Dieses Verhältnis wurde früher teilweise als diagnostischer Hinweis genutzt. Heute gilt jedoch: Das LH-FSH-Verhältnis allein ist kein zuverlässiges Diagnosekriterium.
Die Diagnose von PCOS beziehungsweise PMOS basiert auf einer umfassenderen Betrachtung, zu der unter anderem Zyklus- und Eisprungstörungen, erhöhte Androgene sowie die Ultraschall- oder gegebenenfalls AMH-Befunde gehören können.
6. Wie und wann werden FSH und LH getestet?
FSH und LH können durch eine Blutuntersuchung bestimmt werden. Der richtige Zeitpunkt hängt davon ab, welche Fragestellung mit der Untersuchung geklärt werden soll.
FSH zu Beginn des Zyklus
FSH wird im Rahmen einer Kinderwunschdiagnostik häufig am Anfang des Zyklus untersucht. Oft erfolgt die Blutabnahme zwischen dem zweiten und fünften Zyklustag.
In dieser Phase kann der Wert dabei helfen, die hormonelle Situation zu diesem Zeitpunkt einzuschätzen. Häufig werden gleichzeitig weitere Werte wie Östradiol bestimmt.
LH rund um den Eisprung
LH kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemessen werden. Soll beispielsweise der bevorstehende Eisprung betrachtet werden, kann die Untersuchung rund um die erwartete Zyklusmitte sinnvoll sein.
Für den Alltag sind Ovulationstests eine einfachere Möglichkeit, den LH-Anstieg im Urin zu beobachten. Sie können einen Hinweis auf einen bevorstehenden Eisprung geben.
Ein positives Ergebnis bestätigt allerdings nicht mit absoluter Sicherheit, dass tatsächlich ein Eisprung stattgefunden hat. Bei bestimmten hormonellen Störungen kann LH ansteigen, ohne dass es zur Freisetzung einer Eizelle kommt.
Warum ein einzelner Hormonwert nicht genügt
Hormone unterliegen natürlichen Schwankungen. Deshalb sollte ein Laborwert nicht isoliert betrachtet werden.
Für die Interpretation sind unter anderem folgende Informationen wichtig:
• An welchem Zyklustag wurde die Blutprobe entnommen?
• Wie regelmäßig sind die Zyklen?
• Gibt es Hinweise auf einen Eisprung?
• Werden hormonelle Verhütungsmittel oder andere Medikamente eingenommen?
• Bestehen Beschwerden oder bekannte Erkrankungen?
• Wie sehen die übrigen Hormonwerte aus?
Auch die Referenzbereiche können sich je nach Labor und Messmethode unterscheiden.Wenn du einen auffälligen FSH- oder LH-Wert erhältst, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass deine Fruchtbarkeit eingeschränkt ist. Erst die Kombination aus Laborwerten, Zyklusverlauf, Ultraschall und persönlicher Vorgeschichte ermöglicht eine sinnvollere Einordnung.
7. Was sagen FSH und LH tatsächlich über die Fruchtbarkeit aus?
FSH und LH sind wichtige Hormone für den weiblichen Zyklus. Trotzdem können ihre Werte nicht allein darüber entscheiden, ob eine Schwangerschaft möglich ist oder wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft ist.
FSH gibt Hinweise darauf, wie die Eierstöcke auf die hormonelle Steuerung reagieren. LH ist besonders für den Eisprung relevant. Beide Werte müssen jedoch immer im Zusammenhang mit dem gesamten Zyklus und weiteren Befunden betrachtet werden.
FSH ist kein alleiniger Fruchtbarkeitstest
Ein erhöhtes FSH kann auf eine eingeschränkte Eierstockfunktion hindeuten. Ein unauffälliger FSH-Wert schließt eine verminderte ovarielle Reserve jedoch nicht sicher aus.
Außerdem beschreibt die ovarielle Reserve vor allem die ungefähre Anzahl der noch vorhandenen Eizellen. Sie sagt nicht direkt etwas über die Qualität der Eizellen oder darüber aus, ob eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg eintreten wird.
Bei der Beurteilung können deshalb weitere Faktoren wichtig sein:
• das Alter,
• die Zyklusregelmäßigkeit,
• der AMH-Wert,
• die Anzahl der antralen Follikel im Ultraschall,
• Hinweise auf einen Eisprung,
• die Eileiterdurchgängigkeit,
• die Samenqualität des Partners oder der Partnerperson.
Auch ein auffälliger Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Schwangerschaft unmöglich ist. Er kann aber ein Anlass sein, die Situation genauer untersuchen zu lassen.
LH zeigt nicht automatisch einen stattgefundenen Eisprung
Ein LH-Anstieg kann auf einen bevorstehenden Eisprung hinweisen. Er ist jedoch kein sicherer Beweis dafür, dass die Eizelle tatsächlich freigesetzt wurde.
Bei manchen hormonellen Besonderheiten kann LH erhöht sein, ohne dass anschließend ein Eisprung stattfindet. Deshalb können je nach Fragestellung weitere Untersuchungen sinnvoll sein, beispielsweise:
• eine Ultraschallkontrolle der Follikelentwicklung,
• eine passend getimte Progesteronmessung,
• die Betrachtung des Zyklusverlaufs,
• gegebenenfalls weitere hormonelle Untersuchungen.
Bei regelmäßig wiederkehrenden Zyklen zwischen etwa 21 und 35 Tagen ist ein Eisprung häufig wahrscheinlich. Wenn die Zyklen allerdings sehr unregelmäßig sind oder die Periode ausbleibt, sollte nach möglichen Ursachen gesucht werden.
Wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?
Eine medizinische Abklärung kann sinnvoll sein, wenn:
• die Periode über längere Zeit ausbleibt,
• die Zyklen sehr unregelmäßig sind,
• wiederholt kein Eisprung festgestellt werden kann,
• ein FSH- oder LH-Wert deutlich außerhalb des Laborreferenzbereichs liegt,
• weitere hormonelle Auffälligkeiten bestehen,
• bekannte Erkrankungen wie PCOS beziehungsweise PMOS vorliegen,
• bereits Risikofaktoren für eine eingeschränkte Eierstockfunktion bekannt sind.
Auch unabhängig von auffälligen Hormonwerten kann eine Kinderwunschabklärung sinnvoll werden, wenn über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt. Häufig wird eine Untersuchung nach zwölf Monaten ungeschütztem Geschlechtsverkehr empfohlen, wenn die betroffene Person jünger als 35 Jahre ist. Ab einem Alter von 35 Jahren wird eine Abklärung häufig bereits nach sechs Monaten empfohlen. Bei bekannten Risikofaktoren oder bestimmten Beschwerden kann eine frühere Untersuchung sinnvoll sein.
Zur Fruchtbarkeitsdiagnostik gehören nicht nur Hormonwerte. Auch die Zyklus- und Anamneseerhebung, die Untersuchung der Gebärmutter und Eileiter sowie eine Untersuchung der Samenqualität können eine Rolle spielen.
Was du dir zu FSH und LH merken solltest
FSH und LH arbeiten eng zusammen und sind für die Steuerung des Zyklus unverzichtbar.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
1. FSH unterstützt die Follikelreifung und spielt besonders am Anfang des Zyklus eine wichtige Rolle.
2. LH löst normalerweise den Eisprung aus, wenn es in der Zyklusmitte zu einem deutlichen LH-Anstieg kommt.
3. Beide Hormone schwanken im Laufe des Zyklus. Deshalb ist der Zeitpunkt einer Blutabnahme für die Interpretation entscheidend.
4. Ein einzelner Laborwert reicht nicht für eine Diagnose aus. Alter, Beschwerden, Zyklusverlauf und weitere Befunde müssen mitberücksichtigt werden.
5. Ein erhöhtes FSH kann auf eine eingeschränkte Eierstockfunktion hinweisen, beweist aber nicht automatisch eine Unfruchtbarkeit.
6. Ein positives Ovulationstestergebnis bestätigt keinen sicheren Eisprung. Es zeigt lediglich, dass LH im Urin angestiegen ist.
7. FSH und LH sind nur ein Teil der Kinderwunschdiagnostik. Sie sollten nicht isoliert als persönlicher „Fruchtbarkeitswert“ verstanden werden.
Häufige Fragen zu FSH und LH bei Kinderwunsch
Welcher FSH-Wert ist bei Kinderwunsch normal?
Der passende Referenzbereich hängt unter anderem vom Zyklustag, vom Labor und von der verwendeten Messmethode ab. Bei einer Untersuchung der ovariellen Reserve wird FSH häufig zu Beginn des Zyklus bestimmt. Eine feste Grenz Zahl ist jedoch ohne Kenntnis der individuellen Situation nicht sinnvoll.
Welcher LH-Wert ist beim Kinderwunsch normal?
LH verändert sich im Laufe des Zyklus deutlich. Ein Wert, der am Anfang des Zyklus unauffällig ist, kann sich kurz vor dem Eisprung stark erhöhen. Deshalb muss LH immer im Zusammenhang mit dem Zykluszeitpunkt interpretiert werden.
Kann man trotz erhöhtem FSH schwanger werden?
Ja, ein erhöhter FSH-Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist. Er kann allerdings ein Hinweis auf eine eingeschränkte Eierstockfunktion sein und sollte entsprechend eingeordnet werden.
Kann ein LH-Anstieg ohne Eisprung auftreten?
Ja. Ein LH-Anstieg kann auch dann auftreten, wenn anschließend kein Eisprung stattfindet. Das kann beispielsweise bei bestimmten hormonellen Störungen vorkommen. Bei unklaren Zyklen können zusätzliche Untersuchungen helfen, einen Eisprung besser zu beurteilen.
Was ist wichtiger: FSH oder LH?
Keines der beiden Hormone ist grundsätzlich „wichtiger“. FSH und LH erfüllen unterschiedliche Aufgaben und wirken im Zyklus zusammen. Welcher Wert bei einer Untersuchung besonders relevant ist, hängt von der jeweiligen Fragestellung ab.
Fazit: FSH und LH bei Kinderwunsch verstehen
FSH und LH gehören zu den zentralen Steuerhormonen des Menstruationszyklus. FSH unterstützt die Reifung der Follikel, während LH unter anderem den Eisprung auslöst und die Vorgänge nach dem Eisprung unterstützt.
Auffällige Werte können wichtige Hinweise liefern, müssen aber immer im Zusammenhang mit dem Zyklus, dem Alter und weiteren Befunden betrachtet werden. Kein einzelner Hormonwert kann die persönliche Fruchtbarkeit vollständig abbilden.
Wenn du dir wegen deiner Hormonwerte Sorgen machst, kann ein ärztliches Gespräch Klarheit schaffen. Deine Werte sind wichtige Informationen – aber sie erzählen immer nur einen Teil deiner individuellen Geschichte.
Quellen
• American Society for Reproductive Medicine: Fertility evaluation of infertile women: A committee opinion.
• American Society for Reproductive Medicine: Testing and interpreting measures of ovarian reserve: A committee opinion.
• Fachinformationen zur hormonellen Regulation des Menstruationszyklus und zur Abklärung von Ovulationsstörungen.
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